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Veröffentlichung nach Maß und mehrkanalige Distribution sind der Schlüssel für die Zukunft der Verlagswelt

 

Emmanuel Benoît,
Experte für elektronische Veröffentlichung innerhalb der Jouve-Gruppe

Welches sind die Herausforderungen der heutigen Zeit, denen sich die Verlage stellen müssen?

Emmanuel Benoît: Die Verlage werden mit zwei Hauptherausforderungen konfrontiert: in allen Verbreitungskanälen präsent zu sein, insbesondere bei den Internetakteuren (Suchmaschinen, Online-Buchhändler, spezialisierte Portale, etc.) mit dem Ziel die Absatzzahlen zu verbessern, und von den  neuen ökonomischen Modellen zu profitieren, die auf elektronischer Veröffentlichung basieren. Dies erfordert die Fähigkeit, den Inhalt im richtigen Format über den richtigen Kanal zu liefern.

Wie können Verlage eine mehrkanalige Verbreitungs- und Distributions-Strategie umsetzen?

Emmanuel Benoît: Die elektronische Veröffentlichung und das Auftreten von Akteuren wie Amazon und Google haben die Verbreitungs- und Distributions-Kreisläufe revolutioniert. Das ist ein wunderbares Schaufenster, aber man muss sich einen guten Platz darin sichern.

Durch das Auftreten von neuen Produkten, wie E-Books, und neuen Dienstleistungen, wie die Veröffentlichung nach Maß, wird die Aufgabe der Verlage noch komplexer. Es geht darum, die traditionellen, auf Papier (oder auf Reihen von Werken) konzentrierten Organisationsmodelle in Frage zu stellen, um eine Managementstrategie zu begünstigen, die zum einen am Inhalt orientiert ist und zum anderen daran, letzteren in Form eines Werkes (Papier via POD, E-Book oder im Internet) oder als eine Reihe von Komponenten (oder Teilen) zu verbreiten, die über eine Suchoberfläche zugänglich sind, sodass sich Nachschlagewerke nach Maß bilden lassen.

Damit man vom Potenzial der neuen Medien profitiert, muss dieser Inhalt um multimediale Komponenten ergänzt werden,

Wie stellt man sich diesen neuen Herausforderungen?

Emmanuel Benoît: Das Auftreten der DAD- (Digital Asset Distribution) und DAM-Angebote (Digital Asset Management) ist Teil der Antwort zum Aufbau eines Verbreitungssystems. Mit Schwerpunkt auf Verbreitung/Distribution und Speicherung erfüllen diese Angebote jedoch nicht alle Anforderungen der Verlage. Sie sind auf realen Kundenanforderungen mit einem sehr interessanten Marketingansatz aufgebaut, jedoch unterschätzen sie das „Produktions-Backend“.

Tatsächlich geht es nicht nur darum, die Konvertierung eines Nachproduktionsinhalts industriell abzuwickeln, sondern den Verlagen auch dabei zu helfen,  ihre Vorproduktionsprozesse zu optimieren, indem sie sich für einen XML-Veröffentlichungsworkflow entscheiden, der im Produktionsprozess so weit vorne wie möglich angesiedelt ist. Dies setzt die Erstellung von Metadaten voraus, die für die Indexierung und die Verbreitung von Werken oder Inhaltsblöcken nötig sind.

Aufgrund der Bedeutung von Maßanalysen, Qualitätsanforderungen und  Bearbeitungsfristen gibt es zahlreiche Vorschriften. Es ist daher nötig, sich dieser Herausforderung mit einem industriellen Ansatz zu stellen

Auf welche technischen Lösungen stützt sich das Angebot von Jouve?

Emmanuel Benoît: Jouve hat sehr früh verstanden, dass Innovation der Schlüssel für die Zukunft ist. Wir haben zahlreiche „Personenjahre“ in ein industrielles Produktionsinstrument investiert, das in der Lage ist, Automatisierung mit menschlicher Validierung zu kombinieren. Hauptziel dabei ist, die Qualität der Endprodukte zu garantieren: die Entscheidungen werden nur dann automatisch getroffen, wenn keinerlei Zweifel besteht.

Anderenfalls wird eine menschliche Validierung über den Workflow eingeleitet. Jouve nutzt diese industrielle Plattform für die Produktion an mehreren Standorten und bietet mehrere Arten von Serviceleistungen an. Dazu gehört die Konvertierung in XML- oder E-Book-Formate (e-pub, Mobi, Bbeb, .lit…), Online-PDF oder für POD.

Dies trifft auf bestehende Inhalte oder Nachproduktionsinhalte ebenso zu wie auf die XML-Konvertierung von Autorenmanuskripten. In diesem Zusammenhang kann man auch den automatischen elektronischen Satz für die Anzeige des Inhalts erwähnen, der an die Anforderungen des Verbreitungskanals (z. B. E-Book) angepasst ist oder für den Satz von Werken, die nicht umbrochen werden, gesteuert wird.

Zuletzt kann es darum gehen, die Metadaten für semantische oder linguistische Analyse des Inhalts zu erweitern (Identifikation von definierten Textinhalten, Auflistung von Schlüsselwörtern, Terminologie, Klassifizierung, Clusteranalyse, etc.). Produkte oder aus XML-Teilen bestehende Inhalte, die durch umfangreiche Metadaten indexiert sind, können anschließend über die verschiedenen Kanäle verbreitet werden oder in Bezugssystemen gespeichert werden, die für Suchmaschinen, Print-on-Demand-Service oder Dienstleistungen für maßgeschneiderten Inhalt zugänglich sind.

Welche konkreten Anwendungen hat Jouve bereits eingesetzt?

Emmanuel Benoît: Jouve hat viel Erfahrung in Europa und in den USA gesammelt (insbesondere dank des Kaufs von Publishing Dimension). Wir verfügen über E-Book-Produktionsketten, mit denen bedeutende Mengen bearbeitet werden können.

Die ersten Projekte zur Erweiterung von Metadaten und zur Optimierung der Verlagsprozesse in der Vorproduktion werden gerade abgewickelt.

Welche Perspektiven eröffnet das Web 2.0?

Emmanuel Benoît: Sehr bedeutende. Die ersten Initiativen in den USA hatten großen Erfolg. Von nun an ist es auf Wunsch zum Beispiel möglich, ein Buch zu personalisieren, indem man ein Foto oder eine Widmung einfügt, oder ein einzigartiges Exemplar zu erstellen, indem man die Kapitel und Artikel selbst auswählt.

Die Veröffentlichung nach Maß (Custom Publishing) bietet sich insbesondere für  Reiseführer oder Kochbücher an. Es geht darum, die Inhalte von Verlagen mit Informationen zu kombinieren, die von Internetnutzern erstellt und über soziale Netzwerke veröffentlicht werden (z. B. Fotos oder Videos von Reisen).




	

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